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Koh Samui und die Frage des Tages: Strand oder Pool?

Die Weihnachtsferien stehen an, und Florian braucht dringend Erholung. Bloß kein Programm! Also ab nach Koh Samui! Da ich selbst vom Nichtstun keine Erholung brauche, befürchtete ich, dass ich es nicht aushalte, mich elf Tage nur an den Strand zu legen. Und das stimmte. Ab und zu lag ich auch am Pool.

Für unser Vorhaben „maximale Entspannung, minimale Aktivitäten und wenn, dann nur in Badehose“ haben wir uns als Urlaubsziel Koh Samui im Golf von Thailand ausgesucht. Bei unserer Ankunft regnete es allerdings in Strömen. Kein Wunder, es ist ja auch Regenzeit – das hatten wir vorher zwar irgendwo gelesen, aber wohl wieder verdrängt.

Wo ist das Paradies?

Vom angepriesenen paradiesischen Strand ist nichts zu sehen, denn der kurz zuvor durchgezogene Sturm hat ihn in einen Freiluft-Recyclinghof verwandelt – Plastikmüll, so weit das Auge reicht. Und obwohl man die Bilder von riesigen Müllteppichen auf den Ozeanen kennt, wird einem hier die erschreckende Realität vor Augen geführt. Jede Plastikflasche und jeder kaputte Flip-Flop erinnert einen auch an die eigene Verantwortung im Umgang mit Müll, ganz besonders, weil wir als Touristen ebenfalls Teil des Problems sind.

Wir sitzen also im hoteleigenen Café am Plastikstrand, neben uns die Wasserfälle aus den Regenrohren. Über uns biegen sich die Palmen, die hoffentlich ihre Kokosnüsse im Griff haben. Ich gehe erst einmal zur Rezeption und bitte um Hilfe bei der Installation der „Disaster Alert“-App. Meine Sorge vor Naturkatastrophen sorgt bei den jungen Damen dort für amüsiertes und bei meiner Familie für vollkommenes Unverständnis.

Maximalentspannung

Tags darauf sieht die Welt bereits ganz anders aus: Der blaue Himmel zeigt sich, es ist warm, und das Beste – außer einigen älteren Herrschaften ist (noch) keiner da. Für den deutschen Weihnachtstourismus ist es noch zu früh. Es ist kein Ort für junge Leute, aber Bastian kränkelt ohnehin, und Niklas scheint sich auf unser Vorhaben einzulassen – denn das WLAN funktioniert hier schließlich einwandfrei. Das kleine Resort ist wunderbar, und das Hotelpersonal ist entzückend und hilfsbereit.

Vier Bücher in elf Tagen

In den nächsten Tagen wandere ich zwischen dem Restaurant und diversen Liegen hin und her – immer ein Buch in der Armbeuge. Im Café steht glücklicherweise ein großes Regal, in dem abreisende Gäste ihre Bücher hinterlassen. So, wie es sich gehört, sind sie übersät mit Sonnencreme-Flecken, es fehlen immer wieder mal Seiten, und es handelt sich hauptsächlich um romantische Schmöker und Wohlfühlkrimis – perfekt!

Florian tut (mal wieder) Gutes

Florian wandert auch hin und her … am Strand, um Müll aufzusammeln. Das sollte aber nicht seine einzige gute Tat in diesem Urlaub bleiben. Auch die englische Touristin, die es in der abschüssigen Kurve vom Roller wirft, freut sich über den beherzten Ersthelfer. Etwas verlegen angesichts meiner Untätigkeit stehe ich derweil an der Unfallstelle und übernehme dann immerhin den pädagogischen Part: „Seht hin, Kinder, deshalb solltet ihr beim Rollerfahren immer lange Hosen und feste Schuhe tragen, sonst sehen eure Beine und Füße aus wie bei der da!“ (Wenn Florian so weitermacht – erst kürzlich ist er in einen kalten, schlammigen Fluss gestiegen, um einen verletzten, ausgesetzten Hund zu retten -, dann mache ich dazu einen eigenen Blog-Eintrag).

Nachdem die Verunglückte abgeholt ist, sage ich zu Florian, dass sich unsere Kinder an ihm hoffentlich ein gutes Beispiel nehmen. Wir steigen auf unsere Roller und machen uns auf den Rückweg. Bastian ist vorausgefahren. Als wir um die nächste Kurve biegen, sehe ich, wie er einem Pärchen dabei hilft, ihren Roller aus dem Graben zu schieben.

Wer hat nun Hummeln im Hintern?

Der erste, der aus der Entspannungs-Challenge aussteigt, ist Florian. Mit seinem Roller bricht er schon morgens auf, um die Insel zu erkunden und kommt wie gewohnt mit jedem ins Gespräch. Ich finde es ja immer schön, wie er sich für die Lebensweise von Aussteigern begeistern kann, aber nein, ich möchte weder hierherziehen und Hausmeisterfrau in diesem Resort werden, noch eine Roller-Vermietung mit angeschlossenem Massagesalon eröffnen (und erst recht nicht auf einer Alm wohnen und Käse herstellen).

Roller-Ausflüge und Riesenmeerschweinchen

In den nächsten Tagen machen wir einige Familienausflüge – meinen Männern zuliebe immer mit „kulinarischem Schwerpunkt“. Wir fahren zu Instagram-Spots mit super Burgern und toller Aussicht und trinken erstklassigen Cappuccino, umzingelt von Erdmännchen und Capybaras (eine Art Riesenmeerschweinchen).

Schnorchelausflug

Einen größeren Ausflug machen wir dann doch: zum Schnorcheln. Eine Speedboot-Fahrt bei hohen Wellen – für mich eine prima Konfrontationstherapie. Da kann ich mich so richtig schön meinen Ängsten stellen. Ich klammere mich also am Haltegriff fest (so wie übrigens der oberkörperfreie Bodybuilder auf dem Nebensitz auch) und übe Entspannungsatmung. Zu allem Überfluss wird mir auch noch schlecht, aber nicht so sehr wie dem armen Jungen auf der hinteren Sitzbank. Gut, dass der Wind von vorne kommt.

Die „Schnorchel-Insel“, zu der wir fahren, ist dann wie aus dem Urlaubskatalog. Nur nervig, dass man bei jedem Schritt ein Fotoshooting sprengt. Dabei wende ich drei verschiedene Strategien an: Warten, bis das perfekte Bild im Kasten ist (also nie), im Hintergrund gebückt durchschleichen oder ganz schnell durchhechten.

Für mich insgesamt eine Tour mit zweifelhaftem Erlebniswert – bis zu diesem Moment: Florian und Niklas winken mich beim Schnorcheln hektisch herbei, und dann sehe ich sie mit eigenen Augen: eine majestätische Riesenschildkröte, die anmutig und langsam unter uns hindurchgleitet – das ist einer dieser ganz besonderen Momente!

Weihnachten in Bangkok

Am 23. Dezember machen wir noch einen kurzen Weihnachts-Stopover in Bangkok, wo wir uns an Heiligabend zu einem festlichen Dinner mit lieben Freunden aus Shanghai treffen. Von Bastian verabschiedeten wir uns tags darauf am Flughafen. Er hat andere Pläne – in Vietnam.